Bundeshaus - Bericht

 

16 Jahre unter der Kuppel des Bundeshauses
mit der ehemaligen Nationalrätin Rosmarie Dormann

 

 Das Frauenportrait zu Beginn der Frauennetz Veranstaltungen hat sich bewährt und dieses Mal gewährte Michaela Waldburger den anwesenden Frauen einen Einblick in ihr Leben. Diese mündlichen Kurzbiographien schaffen einen Raum für die Frauen sich gegenseitig besser kennen zu lernen und sich bei ähnlichen Interessen besser zu vernetzen.

 

 

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Den Hauptteil des Abends bestritt Rosmarie Dormann, ehemalige Nationalrätin der CVP Luzern. Sie hat vier Legislaturen im Schweizer Parlament erlebt und berichtete aus der ereignisreichen Zeit. Sie war 1987 ins Parlament gewählt worden und nach sechzehn Jahren 2003 zurück getreten. In dieser Zeit hat sie auch Kommissionen präsidiert und viele Nationalrätinnen und Nationalräte kennen gelernt. Rosmarie Dormann liess die anwesenden Frauen an vielen kleinen amuse bouches aus dem Bundeshaus teilhaben, bei brisanteren Geschichten musste sie die Namen der betroffenen weglassen, was die eigene Fantasie anregte. Sie berichtete aber auch von Erlebnissen mit Nationalräten aus anderen Fraktionen, mit denen sich durchaus hitzige aber faire Debatten führen liessen.

 

Abstimmung über das Antirassismusgesetz
Eine prägende Zeit für Rosmarie Dormann war die Zeit der Abstimmung über das Antirassismusgesetz. Hier hatte sie federführend als Kommissionspräsidentin mitgearbeitet und dadurch auch den vollen Hass der Gegner auf sich gezogen. Diese persönlichen Angriffe gingen sogar so weit, dass Rosmarie Dormann unter Personenschutz gestellt werden musste. Ein Zustand, der der ehemaligen Nationalrätin wenig behagte aber in diesem Moment sicher gerechtfertigt war. Der Personenschutz wurde damals von einem der grossen Gegner dieses Gesetzes, Christoph Blocher, angeordnet. Ein Drohbrief an die Nationalrätin hatte selbst den solche Briefe gewohnten Nationalrat Blocher in Aufregung versetzt.

 

Treffen von Ruth Dreifuss und einer Schulklasse
Als Gegengewicht zur dieser harten Zeit gab es aber auch sehr viele schöne kleine Episoden im Bundeshaus. So berichtete Rosmarie Dormann von einem Besuch einer Schulklasse mit mehrfach behinderten Kindern im Bundeshaus. Sie konnte die Schulkasse empfangen und hatte dabei erfahren, dass die Klasse zuvor im Unterricht die kürzlich stattgefundene Wahl von Ruth Dreifuss in den Bundesrat mitverfolgt hat. Es gelang ihr dann tatsächlich ein Treffen zwischen der zweiten Schweizer Bundesrätin und der Klasse zu organisieren. Ein Treffen, dass nicht nur für Rosmarie Dormann unvergesslich blieb, sondern auch zu den Jahreshöhepunkten von Bundesrätin Ruth Dreifuss gehörte.

 

Fehlende Infrastruktur im Bundeshaus
Im Kreise der Frauen ging Rosmarie Dormann aber natürlich auch auf die spezifischen Schwierigkeiten einer Frau im Parlament ein. Zu Beginn ihrer Amtszeit war das Bundeshaus noch sehr männlich dominiert. Dies nicht nur durch die sehr hohe Anzahl männlicher Nationalräte, sondern auch durch die Infrastruktur. So gab es selbst 15 Jahre nach Einführung des Frauenstimm- und wahlrechts nur eine Frauentoilette im Bundeshaus. Diese glich mehr einem Putzraum als einer Toilette und es entsprach überhaupt nicht den Bedürfnissen der Frauen. Erst Jahre später konnte von den Parlamentarierinnen erreicht werden, dass ein spezielles Frauenzimmer und zusätzliche Frauentoiletten eingerichtet wurden. Im Frauenzimmer konnten sich die Parlamentarierinnen dann ohne männliche Störung auf bevorstehende Veranstaltungen nach den Parlamentssitzungen vorbereiten.

 

Grosse Arbeitsbelastung im Parlament
In der folgenden Fragerunde wurde vor allem hervorgehoben, dass es sich bei der Parlamentsarbeit um einen grossen Aufwand handelt. Rosmarie Dormann hatte kein Sekretariat, dass sie unterstützte, erst gegen Schluss ihrer Parlamentsarbeit leistete sie sich eine Unterstützung bei der Beantwortung ihrer vielen Briefe. Diese musste sie aber selbst bezahlen. Die heutige Situation der Parlamentarierinnen ist ein bisschen besser, es wird ihnen ein kleiner Betrag für ein Sekretariat zur Verfügung gestellt. Rosmarie Dormann allerdings findet die Einrichtung des Milizparlaments nach wie vor eine geeignete Form des Politisierens, auch wenn damit eine grosse Arbeitsbelastung verbunden ist.

 

Der Abend hatte viele interessierte Frauen in die Winde im Restaurant Doktorhaus gelockt. Dies obwohl es sich um einen schönen Sommerabend handelte. Aus den Eindrücken der Frauen war aber zu spüren, dass es sich gelohnt hatte, diesen Sommerabend zusammen mit der ehemaligen Nationalrätin Rosmarie Dormann zu verbringen.

 

Myriam Weber