Göttinnen, Heilige und sagenhafte Frauen - Bericht

Im Frauenportrait stellte sich dieses Mal Renate Schüler den Mitgliedern des Frauennetzes vor. Auf diese Weise erfahren die Frauen gegenseitig mehr von einander und können allfällige Gemeinsamkeiten erkennen.

Den Hauptteil des Abends bestritt die gebürtige Österreicherin Barbara Hutzl-Ronge. Sie ist Autorin und Astrologin und hat sich eingehend mit Göttinnen, Heiligen und mythischen Frauen beschäftigt. Nachdem sie bereits zwei Bücher zu den Göttinnen des Wassers und des Feuers herausgegeben hat, erschien letztes Jahr ein Wanderführer zu den Kraftorten im Kanton Zürich. Solche Kraftorte gibt es im Kanton unzählige. Es handelt sich dabei um Orte, die einen in besonderer Weise berühren. Sie lösen eine sehr starke Empfindung für die Landschaft aus und schaffen eine neue Sichtweise auf die Natur.

Kraftort der Bronzezeit: Wasserkirche
Im Kanton Zürich lassen sich solche Kraftorte bis ins 16. Jahrhundert vor Christus zurückverfolgen. Viele Weihgaben weisen in der Bronzezeit auf Stellen hin, wo sich Menschen in früheren Jahren spirituelle Kraft holten. In der Stadt Zürich ist besonders eine Stelle bei der Wasserkirche als Kraftort der Bronzezeit bekannt. In schwierigen Zeiten warfen Männer und Frauen der Bronzezeit ihre höchst wertvollen Gewandnadeln in die Limmat bei der Wasserkirche um so die Gunst der Göttinnen zu erwerben.

Göttin der Römerzeit: Pferdegöttin Epona
Aus der Römerzeit ist die Pferdegöttin Epona am Pfäffikersee bekannt. Sie stand am Handelsweg nach Winterthur.

Stifterinnen im frühen Mittelalter
Die Verbreitung des christlichen Glaubens wurde stark von Frauen vorangetrieben. Aus dem frühen Mittelalter sind Quellen vorhanden, die Frauen als Stifterinnen einer Kirche ausweisen. So liegt in der Kirche zu Meilen eine Frau begraben, die als Stifterin dieser Kirche genannt wird. Die erste grosse Stifterin im Kanton Zürich war Beata Landolt, auf sie gehen viele Kirchenbauten zurück.
Zu diesen Stifterinnen können auch Hildegard und Bertha gezählt werden, die auf einer Burg auf dem Albis lebten. Ihnen wurde ein Hirsch als göttliches Zeichen gesandt. Dieser führte sie an die Stelle des heutigen Fraumünsters. Dort liessen die Frauen das Fraumünster errichten und wurden so zu den ersten Äbtissinnen Zürichs. Bis zur Reformation war die Zürcher Äbtissin die angesehenste Frau im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation. In der Reformati-on wurde das Fraumünster von der damaligen Äbtissin an die Stadt Zürich übergeben und somit ein Religionskrieg verhindert.

Heilige des Hochmittelalters: Felix und Regula
Die allseits bekannte Sage von den Heiligen der Stadt Zürich Felix und Regula geht zurück auf die Spätantike (310 n. Chr.). Ihre Sage kam allerdings erst im Hochmittelalter auf. Sie waren erste christliche Missionare und waren mit einer römischen Legion nach Zürich gekommen. Bei der Wasserkirche wurden sie geköpft wegen ihres christlichen Glaubens geköpft und danach am Ort des späteren Fraumünsters begraben.


Von Barbara Hutzl-Ronge sind bisher folgende drei Bücher erschienen:

Hutzl-Ronge, Barbara. Magisches Zürich. Wanderungen zu Orten der Kraft Stadt und Kanton. At Verlag 2006.
(ISBN 3-03800-205-4)

Beschreibung
30 detailliert beschriebene Wanderungen erschließen den Leserinnen und Lesern sagenum-wobene Orte, die sich sowohl durch ihre besondere Lage in der Landschaft und die bei ihnen vereinten Naturkräfte als auch durch ihre Geschichte auszeichnen. Sie führen zu heiligen Quellen, auf Entdeckungsreise entlang großer Flüsse, wo Nixen, aber auch der gefährliche Flussgott zuhause sind. Wir entdecken Chindlisteine, Menhire und verborgene Steinreihen und streifen durch geheimnisvolle Wälder zu uralten sagenumrankten Bäumen, zu Schutz und Geborgenheit schenkenden Höhlen, aber auch zu Löchern in denen Drachen, Erdmännli und andere sagenhafte Wesen wohnen.Wasserfälle lassen sich als Orte des Rückzugs und der Wiedergeburt erfahren, Ahnensteine beschenken mit Liebesmagie und dem guten Rat der Ahnfrauen. Über den reichen Sagenschatz hinaus präsentiert die Autorin ein historisch gründlich recherchiertes Bild der spirituellen Geschichte der einzelnen Kraftorte. Sie lenkt das Auge der Wanderer aber auch auf Vertrautes, stellt es in alte, unbekannte Zusammenhänge und rückt so Bekanntes in ein neues Licht. An manchem Kraftort wird auf diese Weise eine Jahrtausende andauernde Kulttradition sichtbar, die in urgeschichtlicher Zeit begonnen hat, in der Gegenwart noch immer lebendig ist und nur darauf wartet, erwandert und wahrgenom-men zu werden.

Hutzl-Ronge, Barbara. Quellgöttinnen, Flussheilige, Meerfrauen. Mythen, Sagen und Sternzeichen zum Wasser. Frauenoffensive 2002.
(ISBN 3-88104-345-4)

Hutzl-Ronge, Barbara. Feuergöttinnen, Sonnenheilige, Lichtfrauen. Mythen, Sagen und Steuernzeichen zum Feuer. Frauenoffensive 2000.
(ISBN 3-8814-324-1)


Mehr Informationen zur Autorin und ihren aktuellen Projekten finden Sie unter www.hutzl-ronge.ch.