Freischaffende Pfarrerin - Bericht

Aus der Arbeit einer freischaffenden Pfarrerin: Katharina Hoby

Im Walliseller Frauenportrait präsentierte sich an diesem Mittwochabend Daniele Flückiger. Sie lebt seit zwanzig Jahren in Wallisellen, ist aber nur wenigen Frauen im Frauennetz ein Begriff. Daniele Flückiger studierte Veterinärmedizin und arbeitete danach an der ETH in verschiedenen Forschungsbereichen der Tiermedizin. In den achtziger Jahren folgte sie ihrem Mann in die USA. Nach ihrer Rückkehr in die Schweiz widmete sie sich ein paar Jahre der Erziehungsarbeit und konnte danach wieder in die Berufsarbeit einsteigen. Ihr an der ETH erworbenes netzwerkartiges Wissen hat ihr im heutigen Beruf viel gebracht. Seit mehreren Jahren ist sie bei derselben Firma beschäftigt und erhält dort immer wieder herausfordernde Aufgaben, so dass sie gerne dort arbeitet.

Dienerin am göttlichen Wort
Für Katharina Hoby war die Nichtwahl zur Pfarrerin am Grossmünster ein Meilenstein in ihrem Leben. Diese verpasste Chance führte sie nämlich in die Selbständigkeit und somit dorthin, wo sie heute derjenigen Tätigkeit nachgehen kann, die sie sich wünscht. Durch die grosse Publizität der Nichtwahl wandten sich viele Menschen direkt an sie. Sie konnten nicht verstehen, wieso die Kirchgemeinde sich gegen sie entschieden hatte und wollten ihre seelsorgerischen Dienste in Anspruch nehmen. Katharina Hoby hat mit ihrer Selbständigkeit eine Lücke gefunden, die durch die Veränderungen in der Kirche entstanden ist. Die Verwurzelung in der Kirchgemeinde ist heute selten geworden. Austritte sind an der Tagesordnung und der Trend setzt sich fort. Die Religion individualisiert sich und die Menschen wünschen nicht mehr den ursprünglichen, teilweise unpersönlichen Gottesdienst. Sie wollen besondere Anlässe wie Taufen und Trauungen auch als solche feiern. Mit ihrer Tätigkeit als freischaffende Pfarrerin hat sich Katharina Hoby aber nicht nur Freunde gemacht: Die reformierte Kirche sieht sie auch als Konkurrenz.

Angefangen hat Katharina Hoby mit speziellen Trauungen. Sie würde aber nie extreme Showtrauungen machen. Sie hatte eine Anfrage für eine Trauung auf einem Lovemobil an der Streetparade erhalten. Eine solche Trauung entsprach aber nicht ihren Vorstellungen und sie hat deshalb dieses Angebot abgelehnt. Mittlerweile erhält sie auch Anfragen von der Landeskirche weitergeleitet. So konnte sie in Südfrankreich den Meteorologen von Tele Züri Peter Wick und seine Partnerin trauen. Solche Anfragen, die mit einer kleinen Reise verbunden sind, nimmt sie natürlich gerne an. Heute macht sie nicht mehr nur Trauungen und Taufen, sondern auch Sterbebegleitungen.

Katharina Hoby ist sehr zufrieden mit ihrer Arbeit als freischaffende Pfarrerin und möchte nicht in einem Pfarramt angestellt sein. Denn Pfarrer haben oft Aufgaben wie Unterrichten und Administration. Diese Aufgaben würde sie nicht so gerne übernehmen, sie möchte sich lieber auf andere Dinge konzentrieren. Die Vorbereitung einer den Toten gerecht werdenden Grabrede braucht sehr viel Zeit, was ein Pfarrer heute nicht mehr hat. Arme Menschen erhalten ihre Dienstleistung auch umsonst. Es ist nicht so einfach, für karitative Tätigkeiten Geld zu verlangen. anfangs fiel ihr das schwer.

Neben ihrer freischaffenden Tätigkeit als Pfarrerin ist Katharina Hoby als Schausteller- und Zirkusseelsorgerin angestellt. Sie hält an der Chilbi ihren Gottesdienst bei den Autoscooters ab. Die Kirchengänger sitzen in den Scootern und die farbigen Lämpchen leuchten. Diese Kirche zieht viele Leute an. Manchmal nimmt auch der Ortspfarrer teil. Katharina Hoby macht ihre Arbeit als Seelsorgerin für diese Menschen Spass.

Myriam Weber